Kristlicher Glaubenskreis e.V.


Astrologie

von Reinhard Siegert

Wie an dem Tag, der dich der Welt verliehen,
die Sonne stand zum Gruße der Planeten.
Bist alsobald und fort und fort gediehen,
nach dem Gesetz, wonach du angetreten.
So sagten schon Sybillen, so Propheten.
Und keine Zeit und keine Macht zerstückelt
geprägte Form, die lebend sich entwickelt.

Joh. Wolfgang v. Goethe.

Die Gestirne als Repräsentanten

Jenes System, das die sieben Urprinzipien lehrt und deren Auswirkungen auf die verschiedenen Ebenen der Wirklichkeit untersucht, heißt Astrologie.

Wenn die Astrologie vom Saturn spricht, meint sie das Urprinzip Saturn und nicht den Planeten.. Erst bei der praktischen Arbeit benutzt die Astrologie den Himmelskörper Saturn.

Die Astrologie ist und bleibt die Lehre von den Urprinzipien und nicht von den astronomischen Sternbildern, Planeten und den Sternzeichen. Die Planeten sind eine praktikable, jedoch ersetzbare Ebene. Wer Astrologie wirklich beherrscht, braucht mit der Zeit diese Ebene kaum noch, weil er gelernt hat, die Prinzipien in allen Ebenen zu erkennen.

Nehmen wir z.B. Jupiter. Er ist bekannt als Glücksplanet: ihm untersteht das Holz und wir klopfen aus Aberglauben dreimal auf Holz, um Unglück abzuwehren. Auch das Schwein untersteht dem Jupiter und man spricht davon : Schwein zu haben, wenn man Glück hat.

Diese Reihe ist, in anderer Form, auf alle Planeten anzuwenden.

Dieses senkrechte Denken ist auf allen Ebenen anwendbar und zeigt den geistigen Zusammenhang im Mineral-, Pflanzen-, Tier- und Menschenreich.

Es sollten sich nun die meisten Missverständnisse und Irrtümer über die Astrologie ausräumen lassen. Die Gegner der Astrologie streiten die Möglichkeit eines konkreten Einflusses der Gestirne auf die Menschen ab. Dieser Vorwurf trifft aber die Astrologie gar nicht, da sie selbst direkte Einflüsse der Gestirne auf die Menschen nicht annimmt.

Den Planeten ist es gleichgültig, welchen Stand sie bei der Geburt eines Menschen haben, aber der Mensch ist in die Zeit, in der er geboren wird, in das astrologische Geschehen eingebettet.

Die Verwirrung kommt dadurch zustande, dass es noch immer Astrologen gibt, die selbst an einen solchen direkten Einfluss glauben. Manche

von ihnen halten sich sogar für besonders fortschrittlich und wissenschaftlich und berufen sich auf Forschungsergebnisse, die Wechselbeziehungen zwischen Gestirnstandsveränderungen, Sonnenflecken, Erup-tionen und den elektromagnetischen Feldern einer lebenden Zelle feststellen. An dieser Wechselbeziehung zweifelt niemand, doch sagt dieselbe nichts aus über eine Einwirkung der kosmischen Gegebenheiten auf die irdischen Zellen; denn es handelt sich hier um geistige Kräfte.

Aus diesem Grund gaben die ersten Astrologen den Planeten die Namen ihrer Götter und wussten schon daraus um die Kräfte und Wirkungen derselben. Die Stellungen der Planeten zueinander ließen dann eine Deutung zu.

Da in Wirklichkeit in allen Dingen und Menschen alle kosmischen Kräfte vorhanden sind und wirken, erkennen wir, dass der Mikrokosmos dem Makrokosmos entspricht, also alles wie oben so auch unten ist.

Der Mensch ist zu vergleichen mit einem Musikinstrument, in welchem alle Töne vorhanden sind, aber für eine bestimmte Melodie nur ein Teil der Töne aktiviert wird.

Das Horoskop, das durch die Zeitqualität, d.h. der für den Menschen richtige Zeitpunkt der Geburt erstellt wird, zeigt durch seine Konstellationen und Besetzungen in den Häusern, welche Grundtöne in diesem Leben zur Verfügung stehen. Je nachdem, wie mit diesen Tönen komponiert wird, entsteht eine harmonische, wohlklingende Melodie oder es überwiegen die Dissonanzen. So wie beim Musikinstrument der Resonanzboden von großer Bedeutung ist, sind beim Menschen Erbanlage und Umwelt wichtig für die Entfaltung und Weiterentwicklung der vorgegebenen Möglichkeiten.

Ein richtig gedeutetes Horoskop zeigt uns die zugehörigen Ziele und Lebensaufgaben des Horoskopeigners an. Wir erkennen darin die geistig-kosmische und individuelle irdische Veranlagung.

Es wird uns klar, dass die gleichen Faktoren, die unseren Charakter bestimmen, auch unser Schicksal fügen.

Der Tiefenpsychologe Willi Bergien beschreibt das so:

Schicksal und Seele gehören zusammen. Aus beiden erst ergibt sich der ganze Mensch. Im Schicksal eines jeden ist zu erkennen, welche Handlungen seinen Weg bestimmen und welche Rolle seine Seele dabei spielt. Im Schicksal wird erlebt, ob die Taten gut oder böse, positiv oder negativ sind und ob die Liebe zum Nächsten die entsprechende Rolle spielt.

 

Die Folgen des Denkens und Handelns zeigen sich in der Reaktion der Umwelt zur eigenen Person. Hieraus vermag man ein Urteil über das eigene Tun und die Qualität des Denkens zu fällen.

Im Schicksal erkennt man sich selbst und damit die Notwendigkeit einer steten sittlich-charakterlichen Reifung. "Man schafft sich sein Schicksal".

Erst in neuester Zeit wird in der Astrologie auch die Verbindung mit der Reinkarnationslehre erkannt und in der Literatur behandelt.

So hat z.B. Martin Schulmann in der "Urania-Blaue-Reihe 8" "Karmische Astrologie" besonders über die Aussagekraft der Mondknotenachse zum vorigen Leben und der Aufgabe im gegenwärtigen Leben geschrieben.

Ich habe selbst durch viele Vergleiche von Horoskopen und den Personen die verblüffende Richtigkeit seiner Ausarbeitung bestätigt gefunden und festgestellt, dass damit eine Aussage über den Entwicklungszustand bzw. die Reife einer Seele möglich ist, je nach den Aspekten zu dieser Mondknotenachse.

H.A. Weishaar schreibt in seiner Schriftenreihe "Rote Erde" (nachzulesen in Band I, S. 49) über die Astrologie:

"Astrologie ist die Urwissenschaft und die Urreligion zugleich".

Das Symbol der christlichen Religion ist das Kreuz. Im Horoskop ist dieses Kreuz die Hauptachse an welche der Mensch in dieser Inkarnation gebunden ist. Asc. - Desc. sowie MC - IC.

Das ist das Kreuz, welches Christus durch seine Menschwerdung auf sich genommen hat.

Das Symbol der Materie, der Kubus, ergibt aufgeklappt ebenfalls das Kreuz.

Der Sinn des Lebens ist, die Materie zu überwinden (waagerechte Achse) und in die geistige Welt einzugehen (senkrechte Achse).

Die Astrologie bzw. das Horoskop sind Hilfsmittel zum Erkennen wie und mit welchen Kräften und in welchen Lebensbereichen dieses Ziel erreicht werden kann.

Für Agrippa von Nettesheim ist die Deutung eines Horoskops ganz wesentlich subjektiv bestimmt und er beruft sich auf Ptolomaeus wenn er unterstreicht, dass die Ergebnisse der Astrologie, zumal die prognostischen, sich aus der Beobachtung der Sternenebene und aus den Affekten des deutenden Geistes ergeben.

Mit anderen Worten: die Interpretation der Gestirnkonstellationen wurzelt wesentlich in der Struktur und den Leidenschaften der menschlichen Seele, wie sie im griechischen Mythos ihren Ausdruck finden.

Zusammenfassung:

  1. Die Astrologie beschäftigt sich mit den archetypischen Urprinzipien, die auf der Ebene der Ideen die Urbausteine darstellen, aus denen die Wirklichkeit in all ihren Erscheinungsformen zusammengesetzt ist.
  2. Diese Urprinzipien durchziehen senkrecht alle Ebenen der Erscheinungsformen. So entstehen Analogieketten, deren einzelne Glieder zwar verschiedenen Ebenen angehören, aber alle ein gemeinsames Prinzip repräsentieren.
  3. Die Beobachtung einer beliebigen Ebene lässt sich mit Hilfe der Analogie auf jede andere Ebene übertragen. Die Bezugsebene der Astrologie ist der Himmel.
  4. Die Urprinzipien der Astrologie heißen: Sonne, Mond, Merkur, Mars, Venus, Jupiter, Saturn und in neuerer Zeit kommen noch hinzu: Neptun, Uranus, Pluto und Transpluto. Die Himmelskörper gleichen Namens sind lediglich die Repräsentanten dieser Prinzipien.
  5. Es gibt keine kausalen Zusammenhänge zwischen den Gestirnen und den verschiedenen Ebenen der Wirklichkeit.
  6. Die Astrologie ist ein Messinstrument, das mit beliebiger Genauigkeit etwas anzeigt, ohne es zu erzeugen.
  7. Astrologie denkt grundsätzlich senkrecht, gemäß dem esoterischen Axiom: wie oben, so unten.
  8. Die Astrologie setzt voraus, dass in allem Geschehen ein Sinn waltet; dass ein nicht nur materielles, sondern mehr noch, ein geistiges Ganzes wirkt, das in sich selbst zusammenhängt.

aus dem Michaels-Boten von Reinhard Siegert



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