Kristlicher Glaubenskreis e.V.


Das Abendmahl im christlichen Glauben

Vorbemerkung

Vor einiger Zeit erschienen Zeitungsnotizen wonach im Jahre 2003 evangelische und katholische Christen ein ökumenisches Treffen mit einem ökumenischen Abendmahl veranstalten wollen. Die Absicht wurde von der Kurie verworfen und den katholischen Teilnehmern am ökumenischen Abendmahl Sanktionen angedroht. Nun hat sich auch Papst Johannes Paul mit einer Enzyklika gemeldet und das Vorhaben grundsätzlich verdammt.

Diesezitiert Auseinandersetzung gab die Anregung, zu einer eingehenden Betrachtung über das Hl. Abendmahl, wobei auch die Bedeutung des Abendmahles in der kristlischen Lehre H.A.Weishaars erörtert wird.

Brot und Wein - ein uraltes Symbol

In seinem Buch "Parsifal" schreibt Karl Heise (bekannter Freimaurer und Rosenkreuzer) bezugnehmend auf eine fromme Legende, wonach "die Heilige Gralsschale" dem Christus-Jesus dazu gedient habe, ein uraltes Liebesmahl, den Genuß von Brot und Wein, durch seinen besonderen Geist zu erneuern. (Seite 49).

In einer Anmerkung dazu heißt es: "Wir finden bei allen alten Völkern, das Brot- und Weinsymbol, in der Form der Darreichung von Brot und Wein. schon Jahrhunderte bevor der Christus-Jesus dieses Symbol in bestätigender Form einsetzte. Er bezieht sich dabei auf ein Buch "Opfer und Opfermahle" von Carl Scholl, erschienen 1862, wo Einiges über die Abendmahlsgebräuche der alten Völker zusammengetragen ist und zitiert daraus folgendes:

Die Inder pflegten in einer der "Rishi-Kultur" folgenden Epoche das Brot- und Wein-Opfermahl bei dem sogenannten "Yagam", dem Frühlingsfest. Brot und "Soma" wurden verabreicht.

Die Chinesen gaben an ihren vier alljährlichen Opferfesten Brot mit Wein.

Ungesäuerten Kuchen und "Homsaft" genoß der alte Parse. "Wer mich isset" heißt es im Zend Avesta, der heiligen Schrift der alten Parsen, "nimmt von mir die Güte der Welt"; "Wer vom Saft des Homa trinkt, der wird zur Auferstehung vom Tode gelangen".

Brot und Wein als Mysteriengabe reichten auch Tibetaner und Tartaren. Opferkuchen in Gestalt einer Hostie nahm der alte Ägypter neben dem Wein zu sich anläßlich der Isisfeste, die im "5. Monat Tybi", gefeiert wurden.

Kuchen (und Fleisch), "als wäre es der Leib des Gottes Selber", aß der Grieche im Februar bei seinen sogenannten. "Anthesterien" mit Wein dazu. zu Ehren des "Gottessohnes Dyonisos", (hinter dem sich der in den Mysterien geschaute, zur Erde herabsteigende Christusgeist verbirgt) Auch in den Mysterien des Pythagoras fand das Brechen des Brotes (Opferkuchens) und das Herumreichen von Wein statt.

Selbst im alten Mexiko und Peru wurde von hohen Priesterinnen das "heilige Brot" (Cancu) mit darauf geprägtem Kreuzzeichen gebacken als das Fleisch Gottes gegessen und Wein dazu getrunken.

Ebenso aßen die alten Germanen ihre Opferkuchen. Dazu tranken sie Wein (Met oder Ael), dessen Zubereitung die Edda mehrfach schildert.

Und endlich reichte der hohe Eingeweihte Melchisidek, der "König im alten Bunde", dem Abraham Brot und Wein (1.Mos. 14, 18-19). Der biblische Jeremias spricht ebenfalls von Kuchen und Trankopfern (Jer. 44,19).

Alte Abendmahlssymbolik

Das heilige Abendmahl, auch Eucharistie oder Sakrament des Altars genannt, ist ursprünglich ein heidnischer Kult, der schon in den Mysterien von Eleusis gefeiert wurde. Wein symbolisierte dabei den Gott Bacchus, (der seinerseits hinduistischen Ursprungs ist,) und Brot (oder Korn) Ceres. Ceres = Demeter war überdies das feminine produktive Prinzip der Erde und die Gemahlin des Vaters Zeus, Bacchus war der Sohn des Zeus - Jupiter.

Ceres und Bacchus waren die Personifikationen des Stoffes und des Geistes, den beiden die Natur und die Erde belebenden Prinzipien. Der einweihende Hyrophant reichte dem Kandidaten symbolisch, nachdem er die Geheimnisse enthüllt hatte, Wein und Brot, die der Kandidat zu sich nehmen mußte, zum Zeichen daß der Geist die Materie beleben sollte, d.h. daß die göttliche Weisheit (Theosophia) des höheren Selbst in das niedere Selbst oder die Seele eindringen sollte.

Dieser eindrucksvolle Kult ist später von den christlichen Kirchen übernommen worden. Die Worte, die Jesus beim Abendmahl spricht, zeigen eindeutig an, daß er über die symbolische Bedeutung des Abendmahles bei den heidnischen Mysterien unterrichtet war.

Die Feier des letzten Mahles Jesu Christi mit seinen Jüngern (Matth. 26, 17-19; Mark. 14,12-26; vergl. auch 1.Kor. 11.23-25; Luk. 22,14-23) mußte unter den Umständen unter denen sie erfolgte und durch die begleitenden Worte und Handlungen Jesu einen tiefen Eindruck bei den ältesten Christen hinterlassen haben. Nach den Berichten der drei ersten Evangelien (Johannes erwähnt die Feier nicht!) war das Mahl ein Passahmahl, das Jesus mit seinen Jüngern feierte. Nach Beendigung des jüdischen Passahmahles reichte er den Seinen Brot und Wein mit symbolischen Handlungen und Worten, welche die Bedeutung seines Todes veranschaulichen sollten.

Wie das Passahmahl die Verschonung der Israeliten vor dem Würgeengel und die Errettung aus Ägypten symbolisch darstellte, so sollte auch sein Tod den Seinen Verschonung und Rettung bringen, nämlich vor dem bevorstehenden göttlichen Strafgericht.

Von einer Einsetzung des Abendmahls wissen die ältesten Berichte (Matth. und Mark.) nichts. Die Worte: "Dies tut zu meinem Gedächtnis" hat zuerst Paulus hinzugefügt und dann von Lukas übernommen. Auch die Passagen "Zur Vergebung der Sünden", "Dies ist das Neue Testament in meinem Blut" und "Der für euch gegeben wird" sind Zufügungen neueren Datums. Bei der Reformation ging der Streit im wesentlichen um die Ausdeutung des Abendmahles.

Das Abendmal in theologischer Sicht

Das Abendmahl, auch Altarsakrament, Eucharistie (griechisch "gute Gabe"), Kommunion, Tisch des Herrn oder Herrenmahl genannt, ist in fast allen christlichen Kirchen Höhepunkt des Gottesdienstes, von Jesus eingesetzt in der Abschiedsstunde am Gründonnerstag. Jesus nimmt das Brot, bricht jedem Jünger ein Stück ab, segnet den Kelch und läßt ihn herumgehen: "Nehmet, esset! Das ist mein Leib. Nehmet, trinket! Das ist mein Blut." Diesen Worten fügt Paulus hinzu "Tut dies zu meinem Andenken".

Die Tradition, von der Apostel Zeiten bis zum Mittelalter, hat diese vom Korinther-Brief und von den synoptischen Evangelien überlieferten Worte nie anders als wörtlich verstanden. Das Dogma von der Transsubstantiation (lat. Wesensverwandlung) in der katholischen Kirche wurde erst auf der 4. allgemeinen Lateransynode (1215) verkündet und auf dem Tridentischen Konzil (1551) bestätigt. Die Orthodoxe Kirche übernahm die Lehre von der Transsubstantiation erst im 17. Jahrhundert.

Die evangelischen Kirchen verwerfen diese Auslegung der Worte Christi. Sie besitzen aber keine einheitliche Vorstellung vom Wesen des Abendmahles. Luther betont die wirkliche Gegenwart des Leibes und des Blutes beim Abendmahl, nach Zwingli sind Brot und Wein nur äußere Zeichen des Leibes und des Blutes, während Calvin deren geistige Gegenwart im Abendmahl lehrt.

Die ersten Christen begingen die Abendmahlsfeier nach dem Vorbild des Einsetzungsmahles, mit einem auf den Abend verlegten gemeinschaftlichen, von Gebet und Hymnengesang getragenem Mahle aus Brot und Wein. Dieses Mahl, das Agape (griech. Liebe) hieß und Ausdruck der Bruderliebe war, entsprach auch einem rituellen Brauch bei der Passahmahlzeit der Juden, nämlich der dem Hausvater obliegenden Austeilung des Brotes und des Bechers mit Wein unter bestimmten Gebeten und Lobpreisungen.

Erst im Reformationszeitalter ist das Abendmahl Gegenstand erbitterter Lehrstreitigkeiten geworden. Alle Reformatoren verwarfen die Lehre von der Transsubstantiation und bestritten damit die Fähigkeit der Priester, im Auftrag und als Werkzeug Christi die Substanz des Brotes in die Substanz des Leibes Christi und die Substanz des Weines in das Blut Christi zu verwandeln.

Die katholische Kirche spendet seit dem 13. Jhdt. aus praktischen (nicht aus dogmatischen) Gründen das Abendmahl unter einer Gestalt (lat. sub una specie), und zwar in Gestalt des Brotes. Die evangelische Kirche reicht das Abendmahl in beiderlei Gestalt (sub utraque specie). In der Ostkirche wird das Abendmahl ebenfalls in beiderlei Gestalt gegeben, doch wird wie in der Urkirche gesäuertes Brot verwendet, im Gegensatz zur kath. Kirche, die ungesäuerte Brot reicht.

Ostkirche und katholische Kirche sehen im Abendmahl nicht nur ein Sakrament, sondern auch ein Opfer, das Gott dargebracht und durch einen Priester als Stellvertreter Christi vollzogen wird. Diese Vorstellung geht auf eine altkirchliche Übung zurück, Brot und Wein für das Abendmahl als sichtbaren Ausdruck der Anbetung Gottes zu spenden bzw. zu opfern. Dieser Gepflogenheit wird in der heutigen Zeit noch dadurch Rechnung getragen, daß der "Klingelbeutel" nach der Kommunion durch die Reihen geht.

Daß dieses Opfer im Wissen um die alttestamentlichen Tieropfer gebracht wurde bzw. an deren Stelle trat, bezeugt schon der alte Name Hostie (lat. hostia - Opfergabe, Opfertier).

Das letzte Abendmahl Jesu - Chronologie

Berichte über den Ablauf des Abendmahles in den Evangelien und im 1. Paulus-Brief an die Korinther

Die Evangelien der Apostel Markus, Matthäus und Lukas gehören zusammen, weshalb sie als "Synoptiker" bezeichnet werden. Sie entstanden in der 2. Hälfte des 1. Jahrhunderts um das Jahr 60 n.Chr.

Die älteste Fassung stammt von Markus, die im Text kurz gehalten ist. Sein Evangelium gab den Rahmen für die Fassungen von Matthäus und Lukas. Er stammte aus der Gemeinde von Jerusalem.

Matthäus erarbeitete sein Evangelium auf Grundlge von Markus, ergänzte es durch eine ältere Sammlung von Jesus-Worten. und Reden wie die Bergpredigt. Sein Evangelium ist das Umfangreichste und ist aus dem Glauben der palästinischen Christenheit entstanden. Lukas benutzte seine Vorgänger und verwertete bedeutende Vorgänge und Darstellungen mit eigener Prägung. Er war Heiden-Christ, Arzt und Mitarbeiter von Paulus. Er stammte vermutlich aus Antiochia.

Paulus gibt in seinem 1. Brief an die Korinther ebenfalls eine Schilderung über den Ablauf des Abendmahles. Der Brief ist um 40 n.Chr. entstanden und gibt die seinerzeitige mündliche Überlieferung wieder, da er selbst kein Teilnehmer am Abendmahl war.

Die Berichte über die Einsetzung des Abendmahles sind sehr ähnlich, fast wortgleich, doch gibt es kleinere Unterschiede wie sich zeigt:

Markus 14, 22-24

Und indem sie (die Jünger) aßen, nahm Jesu das Brot, dankte und brach's und gab's ihnen und sprach: Nehmet; das ist mein Leib. Und nahm den Kelch und dankte und gab ihnen den; und sie tranken alle daraus. Und er sprach zu ihnen: Das ist mein Blut des neuen Testaments, das für viele vergossen wird.

Matthäus 26, 26-28

Da sie aber aßen, nahm Jesu das Brot, dankte und brach's und gab's den Jüngern und Sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib. Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; das ist mein Blut des neuen Testaments, welches vergossen wird für Viele zu Vergebung der Sünden.

Lukas 22, 19-20

Und er nahm das Brot, dankte und brach's und gab's ihnen und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis. Desselbigengleichen auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut, das für euch vergossen wird.

Paulus 1. Korinther 11, 23-26

Denn ich habe es vom Herrn empfangen, was ich euch gegeben habe: Der Herr Jesus in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach's und sprach: Nehmet, esset, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; solches tut zu meinem Gedächtnis. Desselbigengleichen auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut; solches tut, so oft ihr's trinket, zu meinem Gedächtnis. Denn so oft ihr von diedem Brot esset und von diesem Kelch trinket, verkündigt ihr des Herrn Tod, bis daß er kommt.

Auf diesen vier Schriftstellen basiert die Überlieferung über das Heilige Abendmahl.

Zum Ablauf des letzten Abendmahles Jesu

Es war seiner Gestalt nach keine gewöhnliche Abendmahlzeit, sondern ein Festmahl in einem Jerusalemer Obergemach, ein eigends veranstaltetes Nachtmahl in der Nacht zum Freitag. Es wurde nach hellenischer Sitte liegend eingenommen. Dabei wurde Wein kredenzt.

Eine derart festliches Mahl muß einen Anlaß und eine Absicht gehabt haben. Die älteste Tradition (Lk 22, 15-18, 28 ff.) sagt zunächst, Jesus habe ein Abschiedsmahl feiern wollen. Dabei habe Er eine Abschiedsrede gehalten und seine messianische Herrschaftsvollmacht juridisch auf die Zwölf übertragen. Außerdem habe er noch eine Abschiedsgabe gereicht., die als Stiftung einer Gedächtnishandlung betrachtet wurde.

Einzelheiten des Mahlablaufs lassen sich mit Sicherheit angeben. Beim palestinensischen Festmahl nahm nach der Sättigung der Hausvater oder dessen Vertreter einen ihm kredenzten Becher, den Segensbecher - in der Mahlfolge als der dritte gezählt - meist mit rotem Wein gefüllt - sitzend in die Rechte und sprach, ihn eine Hand breit erhebend, für alle das von allen mit "Amen" beantwortete Tischdankgebet und trank dann. Das war für die Tischgenossen das Zeichen, aus ihren Bechern zu trinken.

Es muß einen besonderen Grund gehabt haben, daß Jesus von der üblichen Sitte abwich und seinen Becher die Runde machen ließ, wobei eine Aufforderungsformel wegen der Ungewöhnlichkeit des Vorganges und ein erläuterndes Wort sehr angebracht war Das "Brotbrechen" bei der Mahlzeit durch den Hausvater war ebenfalls eine zur damaligen Zeit übliche Handlung.

Die Handlungen Jesu, das Brechen des Brotes in kleine Stücke und Darreichung mit begleiteten Worten an die Teilnehmer des Mahles sowie die von Jesu gewählte und kommentierte Form der Darreichung des Bechers zeugen von einer besonderen Absicht, als Kennzeichen des Abschiedsmahles. Die Weisung "dies tut zu meinem Gedächtnis" scheint nicht authentisch zu sein und soll später zugefügt worden sein.

Die Abendmahlsstreitigkeiten

Das IV. Laterankonzil (1215) hat die verschiedenen Deutungen, ob und in welcher Gestalt Christi bei der Abendmahlsfeier zugegen ist in einer Definition zusammengefaßt, wonach Leib und Blut Christi im Sakrament unter den Gestalten von Brot und Wein wahrhaft enthalten sind, da eine Transsubstantiation des Brotes in den Leib und des Weines in das Blut Christi stattfindet. Damit war die Auffassung der "Albigenser und Katharer" - christliche Sekten, die im 11. Jahrhundert entstanden waren und die die wirkliche Gegenwart des Leibes Christi in der Eucharistie leugneten - verworfen.

Der eigentliche Abendmahlsstreit beginnt mit der Reformation. Luther lehnt die Transubstantitation ab. Er hält aber unter dem Eindruck des Einsetzungsberichtes stets an der realen Gegenwart von Leib und Blut des HErrn fest. Dagegen vertritt Zwingli die symbolische Auffassung. Er leugnet die Allgegenwart des Leibes Christi im Sakrament. Das Abendmahl ist eine Erinnerung an unsere Erlösung durch Christi Tod.

Calvin vertritt, die Allgegenwärtigkeit des Leibes Christi verwerfend, eine dynamische Auffassung: An den Himmel gebunden, sei er im Sakrament nur seiner Kraft nach durch den Heiligen Geist gegenwärtig. Sakrament ist das Zeichen, dessen Genuß den Auserwählten die Kraft des Herrenleibes darbietet. Nach dem Heidelberger Katechismus heißt der Genuß des Abendmahles: "mit gläubigem Herzen das ganze Leiden und Sterben Christi annehmen und dadurch Vergebung der Sünden und ein ewiges Leben zu bekommen sowie durch den Heiligen Geist, der zugleich in Christus und uns wohnt, mit seinem gebenedeieten Leibe je mehr und mehr vereinigt werden, daß wir, obgleich er im Himmel und wir auf Erden sind, dennoch Fleisch von seinem Fleische sind."

Bei den jüngeren protestantischen Sekten ist das Abendmahl vielfach nur eine Danksagungs- und Bekenntniszeremonie. In der neueren reformatorischen Theologie macht sich das Bestreben bemerkbar, das Sakrament zugunsten des Wortes in den Hintergrund zu rücken und das Herrenmahl als Botschaft zu verstehen: Die Realpräsenz ist genau die des Wortes, nicht mehr und nicht weniger.

Quellen der biblischen Abendmahlberichte

Vor allem die aus alten und jüngeren Traditionsstücken kombinierten evangl. Abendmahlsberichte Matth. 14, 12-26a ( und die Red. Matth. 26,27-30a), Lk. 22, 7-38 (lukanische Sondertradition, aufgefüllt aus Mk.) und Jo. 13, 1-17, 26, darin besonders das Fragment eines alten Passahmahl-Berichtes siehe Lk 22, 15-18 (ergänzt und gekürzt: Mk 14, 12-18a 25 par. Matth) und der (in seinen verschiedenen Fassungen auf eine gemeinsame aramäische Urform zurückgehende) Einsetzungesbericht Lk 22,19 f ( vergl. die schon in die 40er Jahre weisende Bezeugung 1.Kor. 11. 23 ff) bezw. die Überlieferungsvariante Mk 14, 22ff, (par: Matth. 26, 26 ff) usw.

Exkurs: Das Abendmahl bei verschiedenen christlichen Kirchen und christlichen Gemeinschaften

Die katholische und die orthodoxe Kirche sieht im Abendmahlsritus einen spirituellen Vorgang durch die sogenannte Transsubstantiation. Dadurch erhält das Abendmahl den Rang eines Sakramentes, wodurch der Gläubige Sündenvergebung erwirkt.

Die Protestantische Kirche sieht im Abendmahl ebenfalls ein Sakrament, im Ritus aber ein Erinnerungsmahl. Die evangelische Lehre bindet die Wirkung des Sakraments an den Glauben ihrer Empfänger.

Freikirchen, Baptisten, Methodisten und Mennoniten sehen im Abendmahl eine Gedächtnisfeier, geben ihm aber den Rang eines Sakramentes.

Sekten im Sinne der Kirchen...

...sind Gemeinschaften, die mit christlichen Überlieferungen wesentliche außerbiblische Wahrheiten und Offenbarungsquellen verbinden:

Cristengemeinschaft, Neuapostolische Kirche, Zeugen Jehovas, Sieben-Tage-Adventisten sehen im Abendmahl eine Gedächtnisfeier.

Esoterische und Neugnostische Weltanschauungen und Bewegungen...

...sind Weltanschauungssysteme mit religiöser Funktion.

In diese Gruppe reiht die offizielle Kirche folgende Gruppen ein:

Anthroposophie, Deutschgläubige und völkisch-religiöse Gruppen (auch Bund der Guoten), Rosenkreuzer, Theosophie

Bei diesen Gruppen hat das Abendmahl nicht die Bedeutung, die die Kirche diesem zugrunde legt. Es ist weder Sakrament noch Gedenkfeier. Wenn das Abendmahl in das geistige Leben einbezogen wird, wird es als "Abschiedsfeier" gewertet.

Die Bedeutung des Abendmahles in der Kristlichen Lehre

Im Kristlichen Glaubensbekenntnis wird im 3. Artikel die geistige Bedeutung des Leidensweges des Jesus Kristus dargelegt. Jenes Abendmahl als Teil der Leidensgeschichte ist nicht angesprochen, weil es nach unserer Auffassung ein Abschiedsmahl war.

Den Nachvollzug der rituellen Handlung mit der Wirkung der Sündenvergebung erkennen wir nicht an. Die Sündenvergebung ist ein Gnadenakt Gottes, dem ein strebendes Bemühen und eine Wiedergutmachung des angerichteten Schadens vorangehen muß.

Insofern ist auch der Streit, ob Christus in der Hostie und dem Wein gegenwärtig ist - in welcher Form auch immer - für uns gegenstandslos.

Literatur:

Für der Erarbeitung des Vortrages wurden im Wesentlichen folgende Werke benutzt:

  • Die Bibel ...nach der deutschen Übersetzung D. Martin Luthers, Württ. Bibelanstalt.
  • Eduard Meyer: "Urgeschichte des Christentums" Bd. I, Magnus-Verlag
  • Lexikon für Theologie und Kirche 2. Aufl. Verlag Herder Freiburg
  • Nölle, Wilfried: "Wörterbuch der Religionen" Goldmann München
  • "Handbuch religiöser Gemeinschaften und Weltanschauungen" Gütersloher Verlag

Karl Dehnert
(Vortrag gehalten am 27.04.2003 anläßlich der Jahreshauptversammlung des KGK in Vielbrunn.)



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